Was sagt die Unternehmensführung zu einem BR-Blog?

Das ist eine berechtigte, eine wichtige und – da brauchen wir uns nichts vor machen – eigentlich auch eine leicht zu beantwortende Frage:

Eine Geschäftsführung wird sich kaum über ein Blog vom Betriebsrat freuen. 👿

Im strukturellen Interesse der Arbeitgeber ist es, möglichst volle Kontrolle über zu haben; und zwar über möglichst alles. Unter anderem und ganz besonders natürlich die Kontrolle über jegliche Informationen und das Wissen. Es ist tatsächlich so banal: Wissen ist Macht.

Die Frage ist also weniger, was sie darauf hin sagen, dass der BR ein Blog einrichtet. Die Frage lautet, wie reagiert die Geschäftsführung konkret, was droht sie dem BR an, was kann sie begründet verlangen und was kann/darf sie nicht verlangen? ❓

Die taktischen Reaktionen der Unternehmensführung

Wir hatten bereits diverse Reaktionen auf den simplen Umstand, dass BR-Blogs eingerichtet wurden. Darunter gab es auch schon solche Reaktionen, die ganz eindeutig und klar außerhalb dessen gelegen haben, was ein Unternehmen darf. Oft geht es banal darum, einen taktischen Zug zu machen; und der kann schon mal die Androhung von rechtlicher Schritte sein.

Vielleicht geht’s ja rein und dann hat man seitens der GF oder HR oder was auch immer mit wenig Aufwand gleich einmal Terrain gewonnen. Nennen wir es mal eine Politik der Abschreckung.

Recht gegen Recht

Nun steht außer Zweifel, dass die Arbeitgeberseite Rechte hat und dass die Arbeitnehmerseite Rechte hat. Ebenso steht außer Zweifel, dass obige Formulierung eine maßlose Vereinfachung ist und dass diese Geschichte in konkreten Fall verdammt komplex und kompliziert ist.

Da kommt es dann nicht vereinfachend hinzu, dass bei so etwas relativ jungem, wie dem Feld der Online-Portale, dem Internet, den Datenbanken usw. … und dann dem noch sehr jungen Phänomen der Blogs …, dass das da noch komplizierter ist, weil es hier vielerorts noch kaum detaillierte rechtliche Grundlagen gibt und noch weniger Erfahrung und Präzendenzfälle.

Lange Rede, kurzer Sinn:

  1. beschäftigt uns dieser Spannungsbereich schon seit längerem und Fragen wie die ganz oben, tauchen natürlich immer wieder auch in Seminaren und bei Vorträgen auf.

    In diesem Herbst 09 werden wir – hier und im Blog der Abt. Arbeit&Technik der GPA-djp – dazu unsere bisherige Erfahrung aufarbeiten und einige Grundlagen und Richtlinien ausarbeiten.

  2. hat mich ein Email eines Kollegen aus einem Betrieb erreicht, in dem er von der Position seiner Geschäftsführung berichtet. Der Fall und die Reaktion der Unternehmensseite sind durchaus symptomatisch und uns Anlass, dass wir das Thema jetzt in sicherlich mehreren Blogeinträgen aufarbeiten werden.

Hiermit sei einmal der Anfang gemacht und zur Diskussion eingeladen!

Habt ihr hier schon Erfahrungen gemacht?

Was denkt ihr dazu?

Wie geht ihr mit dieser Problematik um?

Als ersten Teil der Dokumentation hier – in eigenen Worten und auszugsweise –, was eine Geschäftsführung einem BR mitgeteilt hat, nachdem dieser das Unternehmen vom Vorhaben der Einrichtung eines BR-Blogs unterrichtet hat:

Die GF hat ihr Ansinnen intensiv erörtert und ist zu dem Schluss gekommen, dass ein Blog für interne Kommunikation absolut ungeeignet ist und für jedermann einsehbar.

Die GF fordert den BR daher auf, von jederweder Information Abstand zu nehmen, die dem Unternehmen zum Schaden gereichen kann!

Die GF hat dem BR eine eigene Email-Adresse zugebilligt und ist der Meinung, dass dies absolut und vollkommen ausreichend ist. Der BR kann so die MitarbeiterInnen erreichen und mehr ist dazu nicht notwendig.

Die GF bittet den BR diese Sicht der GF und den Zweifel der GF zu berücksichtigen und appelliert an die Verantwortung des BR als Organ des Unternehmens.

Hier geht’s zum zweiten Teil der Doku

0 Gedanken zu „Was sagt die Unternehmensführung zu einem BR-Blog?

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  3. Karl

    Meiner Meinung nach schafft der §90 ArbVG eine Grundlage für Kommunikation des BR nach außen (z.B. beim Ziel des Erreichens der Verbesserung von Arbeitsbedingungen). Erläuterungen durch Judikaturen habe ich dazu aber keine gefunden. Bin aber auch kein Jurist. Man muss nur vorsichtig mit Betriebsgeheimnissen umgehen.
    Beiträge dazu (haben mir in der BR-Info-Politik geholfen), was in der informativen Kommunikation des BR zu Zores führen kann und beachtenswert ist, findet man in Vorträgen von Hannes Schneller, Jurist in der Abt. Sozialpolitik in der AK Wien. Auch sein Beitrag im Buch „Unternehmenskrise“, ÖGB-Verlag 2009:“Mitgestalten in Krisenzeiten“ gibt hier einige Antworten.
    Karl

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